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Wahrheit unerwünscht

Lügen haben kurze Beine. Doch was soll ich tun, wenn die Wahrheit nicht erwünscht ist?

Vor einigen Jahren war ich für eine Testkaufagentur im Einsatz. Meine Aufgabe war es, einen Restaurant-Test durchzuführen. Ein einschlägiges Erlebnis hat sich dabei sehr fest in meiner Erinnerung verankert und meinen Sinn für Gerechtigkeit, Wahrheit und Ehrlichkeit stark geprägt.

Es handelte sich bei dem Restaurant um ein Konzept, wo der Gast an der Theke seine Bestellung aufgibt. Dem Gast wird das Essen an den Platz gebracht, sobald es fertig ist. Also gut, ich bestellte meine Speisen und Getränke, bezahlte und erhielt eine Nummer, welche ich auf meinen Tisch platzieren sollte.  Das bestellte Getränk konnte ich sofort mitnehmen.

Ein Teil des Tests ist die Bewertung der Sauberkeit. Auf mehreren Tischen stand benutztes Geschirr. Normalerweise sollte der Gast sein Geschirr selbst weg abräumen. Dafür steht ein entsprechender Wagen bereit. Doch dieser Wagen war voll. Der Tisch, die Stühle und der Fußboden waren verschmutzt.  Freiwillig würde mich niemand in dieses Restaurant bekommen. Doch was soll´s, es ist mein Auftrag, dies zu testen und dann anschließend über meine Erlebnisse zu berichten.

Als mein Essen dann gebracht wurde nahm der Mitarbeiter keine Notiz vom Zustand meines Tisches. Ich bat ihn höflich, das Geschirr mitzunehmen. Die Reaktion war, dass er mir sagte, dass dies nicht seine Aufgabe ist. Ich bat ihn, dann jemanden zu informieren, der dafür zuständig ist.  Während meinem gesamten Aufenthalt kümmerte sich niemand darum. Auch der Geschirrwagen wurde in der Zeit nicht beachtet. Entsprechend habe ich dies dann auch in meinem Bericht zu dem Restaurant-Test notiert.

 

Tage später

Nach 3 Tagen rief mich die Agentur an und bat mich, diesen Test umzuschreiben. Ich fragte nach, was genau damit gemeint sei- ok, die Antwort darauf konnte ich mir schon denken. Der Mitarbeiter von der Agentur erklärte mir, dass in dem Bericht nichts Negatives stehen darf. Ich fragte weiter nach und erhielt die Antwort, dass von der Restaurant-Kette keine negativen Tests akzeptiert werden. Wenn etwas negatives auftaucht, so sei die Agentur verpflichtet, einen kostenlosen Nachtest zu veranlassen.

Ich fragte nach: Sie erwarten nun von mir, dass ich den Bericht umformuliere, und schreibe, dass alles sauber und ordentlich war. Auch die Mitarbeiter waren sehr fleißig und engagiert. Freudig nahm der Agentur-Mitarbeiter dies zur Kenntnis und sagte, ja genau so soll es dann in den Bericht stehen.

Meine Antwort war nur ein Nein. Ich wartete eine gefühlte Ewigkeit auf die Reaktion. Sie müssen es umschreiben, denn die Zeit drängt und wir bekommen den Test so nicht durch. Wieder antwortete ich nur mit einem Nein. Na aber…- Nein, nicht aber. Ich fälsche keine Berichte…

Die Reaktion des Mitarbeiters von der Agentur war die Aussage: Dann können wir Ihnen den Test nicht bezahlen.   Ich blieb bei meinem Nein und sagte, dass ich auf das Honorar verzichte und dass sie mich auch gleich aus der Tester-Datei löschen können. Hmmm, dies passte auch wieder nicht. Ich habe für diese Agentur sehr viele kurzfristige Aufträge übernommen, weil die meisten Tester nicht bereit waren, längere Strecken zu fahren. Nun, diese Konsequenz brachte den Agenturmitarbeiter doch aus der Fassung. Ich wiederholte noch einmal, dass ich gelöscht werden will und sagte, dass ich eine derartige Lügen-Agentur und deren Machenschaften nicht unterstütze. Für mich zählt nur die Wahrheit. Anschließend beendete ich das Telefonat.

 

Dieses Ereignis liegt schon einige Jahre zurück, doch es hat mich sehr stark geprägt. Selbst jetzt, Jahre später stehe ich zu dieser Entscheidung.

In der Zwischenzeit habe ich eine eigene Testkauf- Agentur. Sowohl meine Auftraggeber, als auch meine Tester wissen und erwarten, dass sie ein ehrliches Feedback erhalten. Ich bin der Meinung, dass bei einem Testkauf nur Fakten, die Nachvollziehbarkeit  und die Wahrheit zählt. Auch wenn das Ergebnis nicht so positiv ausfällt, wie erwartet, so spiegelt ein Test das wieder, was ein normaler Kunde oder Gast erlebt.

Es gibt Auftraggeber, die Tests nur durchgeführt haben wollen, um sich selbst zu feiern oder wo die Testkäufe ein notwendiges Übel einer Vorgabe laut Qualitätsmanagement-Handbuch sind. Diese Auftraggeber sind bei meiner Agentur definitiv bei der falschen Agentur, denn hier wird nichts beschönigt. Für mich zählt nur die Wahrheit

Ein normaler Kunde/Gast sagt in der Regel dem Unternehmen nicht, wenn etwas nicht passt. Er kommt einfach nicht wieder. Er erzählt von den negativen Erlebnissen im Freundes- und Bekanntenkreis oder er berichtet über die sozialen Medien über seine Erlebnisse.

 

 

 

Mein Name ist Katja Hoyer und als Inhaberin der Testkaufagentur helfe ich insbesonderen kleinen Einzelhändlern, Ihr Unternehmen aus Sicht der Kunden kennen zu lernen, Sie erfahren, wo es Möglichkeiten gibt, mehr Umsatz zu generieren.


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